Gelungene Kreislaufwirtschaft als Beitrag zur konsistenten und nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung

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Die zentrale Frage, die dieser Artikel zu beantworten versucht, lautet: Nach welchen grundsätzlichen Strategien kann sich unser Wirtschaften und innerhalb diesem die Unternehmen und Organisationen konsequent in Richtung „Nachhaltigkeit“ entwickeln? Es werden drei gängige strategische Ansätze im Managen wirtschaftlicher Nachhaltigkeit vorgestellt, nämlich  die Effizienz­-, die Suffizienz- und die Konsistenzstrategie. Und schließlich versuchen wir die Bedeutung einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft im Kontext einer Nachhaltigen Entwicklung darzustellen.

Drei völlig unterschiedliche Strategien für eine zukunftsfähige Wirtschaft

Effizienz-Strategien sind die derzeit wohl am weitesten verbreiteten Hoffnungsträger für eine Nachhaltige Entwicklung. Sie zielen auf einen verringerten Verbrauch von Ressourcen wie Rohstoffen, Energie, Wasser, Landfläche etc. für (meist) bestehende Produktions- oder Serviceprozesse. Die gegenwärtig gängigen und teilweise nicht-nachhaltigen Produktions- und Konsummuster sollen dadurch in Richtung höherer Nachhaltigkeit verändert werden, dass mit einem Minimum an Ressourceneinsatz ein Maximum an Output erzielt wird. Langfristig könnte dadurch eine Entkopplung der Wirtschaftsleistung (z.B. gemessen im BIP) vom Umweltverbrauch erreicht werden. Kritiker der Effizienz-Strategien führen an, dass die meisten Effizienzbemühungen nur bestehende Prozesse verbessern ohne die grundsätzliche Sinnhaftigkeit oder die größeren Zusammenhängen dieser in Frage zu stellen. Ein „Weiter-wie-bisher“, nur eben effizienter, führt – so die Kritiker – meist noch schneller in die Sackgasse. Und (technische) Effizienzgewinne werden durch den sogenannten (gesellschaftlichen) Rebound-Effekt so gut wie immer aufgefressen. Will heißen, dass der Ressourcengewinn dank technologischer Innovationen durch den nunmehr günstigeren, weil optimierten Einsatz dieser Ressourcen, zur erhöhten Verbreitung und Vermarktung der Produkte und Dienstleistungen führt. Dieses sozial-ökonomische „Momentum“ überwiegt die Effizienzgewinne oft um ein Vielfaches, Stichwort: Smartphones.

Suffizienz-Strategien gehen einen ganz anderen Weg. Sie setzen nicht an der Technologie sondern am Menschen und seinen Verhaltensweisen an. Suffizienz-Ansätze kritisieren im Kern vor allem den unreflektierten und sinnentleerten Konsum von Produkten und Dienstleistungen. Sie fordern einen bewussteren und gemäßigten Umgang mit Ressourcen aller Art. Denn mit einer unreflektierten, ja konsumsüchtigen Nachfrage verbunden ist eine (Über-)Produktion von Dingen und Services. Dieser Überproduktion wirken Suffizienz-Strategien nach dem Motto: „Weniger ist mehr“, oder „Nie ist zu wenig was genügt. (Seneca)“ entgegen. Je nach Ausprägung der Suffizienz-Haltung wird der teilweise oder gänzliche Umbau bestehender Produktions- und Konsummuster angestrebt. Suffizienz meint im Grunde „Genügsamkeit“ und beschreibt damit die Zügelung oder Überwindung der Gier und des Neids. Das veränderte Nutzungsverhalten – so Suffizienz-Anhänger – führt schließlich auch zur weltweit gerechteren Verteilung aller Güter, die zur Befriedigung der (Grund-)Bedürfnisse der Menschen notwendig sind. Dabei wird mehr und mehr nicht der Verzicht in den Vordergrund gestellt, sondern die hohe Lebensqualität, die in Werten wie Entschleunigung, Einfachheit und Achtsamkeit liegt. Kritiker halten den Suffizienz-Strategien eine gewisse, idealisierte Weltferne vor. Sie verweisen auch auf die Gefahr der Entstehung eines Regimes der gegenseitigen Kontrolle, wenn plötzlich weniger „gut“ sein soll. Und schließlich warnen sie – unter Bezug auf bestimmte „anthropogene Konstanten“ – vor dem Versuch der „Entwicklung“ eines besseren Menschen. Das wäre zwar in der Geschichte der Menschheit schon des Öfteren versucht worden, die Resultate waren jedoch nicht immer die Besten, Stichwort: Drittes Reich.

Konsistenz-Ansätze beruhen auf der Idee des harmonischen Eingebettetseins von Produkten und Technologien entweder in die Kreisläufe der Natur oder in die geschlossenen, technologischen Kreisläufe der Anthroposphäre. Alle Materialien, die bei Produktion und Konsum entstehen werden entweder im technischen Kreislauf der Wirtschaft wieder verwendet, oder sie fügen sich in die natürlichen Kreisläufe der Biosphäre vollkommen schadlos wieder ein. Alle eingesetzten Stoffe sind am Ende ihrer Gebrauchsphase und damit Lebenszeit – nach dem Vorbild der Natur – wieder die Nährstoffe für die nächste Lebensphase. Anders als in Effizienz- und Suffizienz-Strategien wollen Konsistenzstrategien die Materialnutzung nicht primär reduzieren, sondern – zum Wohle von Mensch und Umwelt – derart verändern, dass Abfälle und Emissionen gleichsam zu gewünschten, die Lebensqualität und Gesundheit fördernden Nährstoffen innerhalb der Kreisläufe werden. Die Wirkung, der gesundende Effekte und also die „Effektivität“ stehen über den Prinzipien der Effizienz oder Suffizienz. Es geht darum, konsequent „das Richtige“, „Sinnvolle“ und „Heilsame“ für Mensch und Natur zu tun. Konsistenz-Strategen proklamieren, oft zum Ärger der Kritiker aus dem Suffizienz-Lager, eine „lustvolle Verschwendung“. Diese Werthaltung kommt Genügsamkeits- oder Effizienzdenkern – angesichts der (scheinbar oder real) dahinschwindenden Ressourcenverfügbarkeit anmaßend und arrogant vor. Kritiker argumentieren weiter, dass sich durch Konsistenz-Ansätze allein eine Weltbevölkerung von angehend acht Milliarden Menschen auf einem begrenzten Planeten nicht gut versorgen kann.

Die zentrale Rolle der Kreislaufwirtschaft für eine Nachhaltige Entwicklung

Die meisten Fachleute sind sich einig, dass wir einen Gegenentwurf zum bzw. eine Weiterentwicklung der derzeit vorherrschenden industriellen Produktionstechnologien und –strategie brauchen. Die „Linearwirtschaft“ oder „Wegwerfwirtschaft” führt zur Verknappung von Ressourcen, zu globalen Ungleichheiten, zu Ausbeutung und „Vergiftung“ unseres Planeten. Anders das Modell der Kreislaufwirtschaft: Hier gelangen die eingesetzten Rohstoffe über den Lebenszyklus einer Ware durch Schließen der Stoffkreis­läufe (in Form von Wiederverwertung, -verwendung oder Recycling) entweder vollständig in den technisch-wirtschaftlichen Produktionsprozess zurück oder völlig gift- und schadstofffrei in die biologischen Ab- und Aufbau-Kreisläufe. Der erneute Einsatz gebrauchter Materialien in Form des Recyclings reduziert den Bedarf an Primärrohstoffen und schont Naturraum maß­geblich. Damit wird die Förderung der Kreislaufwirtschaft zu einem wichtigen strategischen Element in der Thematik einer durchgängigen und gesicherten  Ressourcenverfügbarkeit.

Die Kreislaufwirtschaft führt besonders dann zu nachhaltigen Effekten, wenn die Strukturen, in denen sie betrieben wird, in einer regionalen und/oder lokalen d. h. kleinräumig organisierten Wirtschaftsweise eingebettet sind. Denn das bedeutet:

  • Vermeidung unnötig langer Transportwege und damit Energien,
  • Stärkung von Betrieben,
  • Sicherung von Arbeitsplätzen in der Region,
  • Verbesserung der Versorgungssicherheit,
  • Erhöhung des Lebensqualität.

Österreichisches Glasrecycling als Best-Practice Modell

In Österreich wurde die Kreislaufwirtschaft in Form des „Verursacherprinzips“ in bestimmte Bereiche wie beispielsweise Papier-, Glas-, Metall- und Kunststoff-Sammlung und Rückführung politisch-legislativ eingeführt. Die finanziellen Mittel für die systematische Kreislaufschließung werden bei jenen Organisationen und Unternehmen eingehoben, die die Rohstoffe bzw. Produkte in Verkehr bringen. Dabei dienen diese Finanzmittel ausschließlich der optimalen Organisation des Recyclingsystems. Organisationen, die eine derart „hoheitliche” Funktion des Schließens von Stoffkreisläufen wahrnehmen, dürfen nur unter einem für alle Stakeholder transparenten Non-Profit-Status operieren. Das bedeutet, dass Überschüsse immer ins Kreis­laufsystem rückfließen müssen.

Für die europäische und internationale Abfallwirtschaft kann das mit höchsten Rücklaufquoten erfolgreiche Modell des österreichischen Glasrecyclingsystems als gelungenes Vorzeigebeispiel und Leuchtturm für ein eingeübtes Kreislaufsystem dienen. Denn der Glaskreislauf erzeugt keine Abfälle, sondern recycelte, technische „Nährstoffe“ für die nächste Nutzungsphase. Glas ist und bleibt außerdem ein „regionales” Produkt und bedient damit alle Vorteile einer regionalen Wertschöpfungskette.

Zu Guter Letzt verwirklicht das österreichische Glasrecycling­-System bzw. die damit beauftragte Organisation (Austria Glas Recycling) das Modell der transparenten Finanzierung vorbildlich. Denn im Non-Profit-System zählt für die Austria Glas Recycling neben der klassischen Betriebsökonomie auch der langfristige volkswirtschaftliche Nutzen. Geschäftserfolg wird nicht ausschließlich über betriebliche Finanzkennzahlen gemessen, sondern auch in regional- und volkswirtschaftlich relevanten Kennzahlen wie Sammelmengen und Recycling­quote. Und diese Vorbildrolle – über die eigene Branche wie auch die nationalen Grenzen hinaus – wird im jüngst erschienen Grünbuch „Best in Glass: Nachhaltiges Recycling von Verpackungsglas in Österreich“ eindrücklich und detailliert beschrieben.

Gastautor und Gastautorin

Univ.-Lekt. DI Dr. Alfred Strigl ist einer der führenden Nachhaltigkeitsexperten Österreichs. Der Ökonom und Biowissenschaftler ist Gründer und Managing Partner von plenum, der Gesellschaft für ganzheitlich nachhaltige Entwicklung in Wien. Alfred Strigl ist Vorstandsmitglied des Österreichischen Instituts für Nachhaltige Entwicklung sowie  Vorstandsmitglied des Ökosozialen Forums Wien. Er lehrt u.a. an der Universität für Bodenkultur Wien die Themen Nachhaltige Entwicklung, Umweltmanagement und Unternehmensgründung. Seit seiner Jugend lebt er leidenschaftlich für das Ziel, eine ganzheitlich nachhaltige Entwicklung für Mensch und Umwelt in Gang zu bringen. alfred.strigl@plenum.at

DI Julia Buchebner ist Projekt-Mitarbeiterin bei plenum, der Gesellschaft für ganzheitlich nachhaltige Entwicklung in Wien sowie Universitätsassistentin am Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Universität für Bodenkultur Wien. Dort ist sie unter anderem Mitwirkende an der Initiative “Nachhaltige BOKU”, Koordinatorin des Netzwerk Umweltmanagement und zuständig für das Ideenmanagement an der BOKU. julia.buchebner@boku.ac.at

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