Glas bleibt Glas

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1.) Recycling von Altglas – ein Musterbeispiel für Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit

Für mich ist Glasrecycling ein perfektes Beispiel für Kreislaufwirtschaft, ein natürlicher, vollendeter Materialkreislauf. In jeder Glasverpackung steckt sozusagen eine Neue.
Denn Glas ist ein Material, das zu 100 Prozent stofflich wiederverwertbar ist, das ist einzigartig. Noch dazu lässt sich Glas als einer der wenigen Rohstoffe, beliebig oft recyceln, unendlich oft, ohne dabei an Qualität zu verlieren.

Unter Glasrecycling verstehen wir das indirekte Wiederverwerten von Altglas durch Sammeln, Aufbereiten und Einschmelzen bis hin zur neuen Glasverpackung.
Die Wiederbefüllung von Gläsern ist demgegenüber ein direkteres Verfahren der Wiederverwendung.

Die Mülltrennung von Glas, Restmüll und anderen Altstoffen begann in Österreich in den 70er Jahren. Seitdem wurden schon etwa 5 Millionen Tonnen Glas wiederverwertet. Jetzt ist das Glasrecycling für die Menschen in Österreich beinahe selbstverständlich und ein Musterbeispiel für Ressoursenschonung und Nachhaltigkeit. Wie genau dieser Recyclingkreislauf funktioniert und in Zukunft noch besser genutzt werden kann, ist Thema dieses Blogs.

1.1) Was ist Glas? Was sind seine Vorteile als Packstoff?

Glas eignet sich aufgrund seiner Beschaffenheit hervorragend als Packstoff. Duft, Vitamine, Geschmack, und alle anderen wertvollen Stoffe bleiben dabei erhalten. Außerdem bewahrt es seinen Inhalt vor äußeren Einflüssen wie Feuchtigkeit, Geruch und Staub.

Das Wort „Glas“ kommt aus dem Germanischen und bedeutet „das Glänzende, das Schimmernde“. Schon vor 3500 Jahren begann der Mensch aus Quarzsand, Dolomit, Kalk, Soda und Feldspat Glas herzustellen. Später wurden Metalloxide beigefügt, um Buntglas zu erzeugen.

Mein persönlicher Bezug zum Werkstoff Glas ergibt sich durch meine Herkunft, dem nördlichen Waldviertel, wo es aufgrund des großen Sandvorkommens seit jeher viele Glashütten und Glasbläsereien gibt. Ich hatte bei einigen Besuchen in der Glashütte Zalto in Nagelberg die Gelegenheit selbst Glas zu blasen. Mich fasziniert immer wieder, wie aus einem Klumpen glühender Masse ein Kunstwerk aus Glas entsteht.

2.) Der Kreislauf des Glases: Sammlung, Aufbereitung und Glasherstellung

Die Kreislaufwirtschaft beim Werkstoff Glas teilt sich in die
– direkte Wiederverwendung in Form von Waschen und Wiederbefüllen und in das
– Recycling mittels Aufbereitung und Einschmelzen.
Welche dieser zwei Möglichkeiten ökologisch sinnvoller und preisgünstiger ist, hängt von einigen Faktoren ab, die ich in einem Interview mit einem Most- und Fruchtsafthersteller im Mühlviertel erörtert habe.

Das Ergebnis meiner Recherchen war, dass sich die Einwegflasche aufgrund der Kosten-Nutzenrechnung und des immer effizienter werdenden Recyclingsystems nach und nach durchsetzen wird.
Das erklärt sich so, dass der Preis einer neuen Einwegflasche nur unwesentlich höher  ist als die Kosten für das Reinigungsverfahren samt den Transsportwegen. Demgegenüber stehen die vielen Vorteile der Einwegflasche: Sie ist vom Gewicht her um einiges geringer als die Pfandflasche, lässt sich dadurch leichter transportieren und handhaben. Vorallem aber hat sie keine Verschleißspuren, wie abgeschlagene Stellen, speziell am Gewinde und ist sauber, was für die Qualität und Haltbarkeit der Produkte sehr wichtig ist.
In weiterer Folge möchte ich den Vorgang und die einzelnen Schritte des Glasrecyclings genauer bearbeiten und beschreiben.
Die Skizze unten soll den geschlossenen Kreislauf des Glases durch Aufbereitung und Wiedereinschmelzung darstellen.

1. Kreislauf

 2.1) Sammeln von Altglas

Das Sammeln von Altglas erfolgt durch Einwurf in öffentliche Glascontainer. Dafür stehen in Österreich fast 80.000 Sammelbehälter auf über 30.000 Standorten bereit. Es gibt jeweils Container für Weißglas und für Buntglas. Die Abgabe ist kostenlos. Die Gesellschaft “Austrtria Glas Recycling” finanziert die Glassammlung samt Abtransport mit der Lizenzgebühr der Hersteller und dem Erlös für das Altglas. Entsorgungsspezialisten holen in gewissen Abständen das Altglas ab und bringen es zu Wiederverwertungsbetrieben.

Die Österreicher, sind fleißige Glassammler, denn 97 von 100 Menschen entsorgen ihr gebrauchtes Glas ordnungsgemäß. Die Pro-Kopf Sammelmenge aus privaten Haushalten beträgt 26 Kilogramm. Auch Gewerbe- und Industriebetriebe beteiligen sich intensiv an dieser großen Sammelaktion. So kommen jährlich mehr als 200.000 Tonnen gebrauchte Glasverpackungen, rund 700 Millionen Stück, zusammen. Das entspricht einer Rückführungsquote von 85 %, das heißt, dass 85 % aller Glasverpackungen, die auf den Markt kommen wieder gesammelt und verwertet werden. Österreich liegt dabei europaweit im Spitzenfeld. Zum Vergleich dazu liegt die Recyclingquote im EU-Durchschnitt bei nur etwa 70%.

2.2) Aufbereitung

Den nächsten Schritt im Recyclingkreislauf bildet die Aufbereitung des gesammelten Altglases. Ein Maschinenbautechniker der Fa. Binder+Co in Gleisdorf, die
Glasrecyclinganlagen weltweit verkaufen, beschreibt mir in einem telefonischen Interview
diesen Vorgang. Es handelt sich demnach um eine Anlage, die in einer seriellen Anordnung verschiedene Verfahrensschritte, also Aufgaben erfüllt. Am Ende des Prozesses erhält man sortenreines Altglas, gewaschen und getrocknet.

Die Herausforderung liegt darin, dass das angelieferte Altglas, obwohl dazu angehalten wird zu trennen, dann doch mit Dosen, Plastikflaschen, organischen Abfällen und Restmüll jeglicher Art durchsetzt ist. Daher ist eine spezielle Kombination an verschiedenen mechanischen und optischen Verfahrensschritten nötig um alle Fremdstoffe zu entfernen. Schon beim ersten Durchlauf wird ein Reinheitsgrad von 99 % erreicht. Bei einem weiteren Durchlauf erhöht sich dieser auf 99,9%.

Die Aufbereitungsphase ist die bedeutendste Phase, um einen perfekten Materialkreislauf herzustellen. Damit das Glas als Rohstoff wieder dem Produktionkreislauf zugeführt werden kann, durchläuft das Glas folgende Aufbereitungsschritte und -stationen:

  • Aufgabebunker
  • Bunkerabzugsorgane
  • Eisenabtrennung (Magnetabscheider)
  • Entfernung grober Störstoffe (händisch durch Lesepersonal)
  • Siebung
  • Brechen des Siebüberlaufs
  • Siebung
  • Nachbrechen des Siebüberlaufs
  • Siebung (Sieb-Überlauf geht in den Abfall)
  • Siebunterlauf wird getrocknet und von Etiketten befreit
  • Fördern der Produkte (Förderbänder, Becherwerke, Förderrinnen)
  • Siebung in verschiedene Kornklassen und Verteilung auf Förderrinnen
  • Absaugung der organische Anteile auf den Förderrinnen
  • Optische Sortierung in Bezug auf Störstoffe wie z. Keramik oder Nichteisenmetalle mittel Druckluft (Fremdkörper werden optisch erkannt und gezielt ausgeblasen) mit den von Binder+Co entwickelten CLARITY Geräten.
  • Optische Sortierung auf Farbreinheit (Weiss-Grün-Braunglas) in mehreren Sortierstufen.
  • Einlagerung der aufbereiteten Fraktionen in Silos oder Betonboxen.”

Diese Aufbereitungsschritte werden laut Skizze in neun verschiedenen Stationen getätigt (siehe Abbildung unten), die Absaugung betrifft alle Stationen. In Wirklichkeit sind die einzelnen Anlagenkomponenten natürlich kompakt in einer Halle verbaut. Die zweite Abbildung zeigt die Anlage der Fa. Binder ohne Gebäudehülle.

2. Skizze

3. Skizze

Das angelieferte Altglas ist der Input für die Glasaufbereitungsanlage (Foto unten).

4.Input

Die Anlieferung des gesammelten Altglases aus den Müllcontainern erfolgt mittels LKW. Am Anfang der Aufbereitung steht die Eingabe des Altglases durch Bagger. Nach dem Input (1) gelangt das Gemenge in den Magnetabscheider(2), wo Eisen vom Altglas getrennt wird. Die Siebmaschine(3) trennt die Glasstücke, die größer als 50mm sind, von den kleineren. Anschließend werden große Fremdkörper manuell aussortiert(4). Der Walzenglasbrecher(5) bricht Flaschenhälse, dicke Flaschenböden und Glasstücke, die größer als 50mm sind. Etiketten und Reste von Beschichtungen aus Papier, Metall und Kunststoff werden durch den Etikettenentferner(6) vom Altglas getrennt. Anschließend werden im Nichteisenmetall-Abscheider(7) Metallpartikel ab einer Größe von 1mm erkannt und per Druckluft aus dem Materialstrom ausgestoßen. Für die Abscheidung von organischen Leicht- und Hartstoffen aus dem Gemenge sorgt der Organikabscheider(8). Hier werden z.B. Lebensmittelreste, Korken usw. entfernt. Die nächste Maschine erkennt die farblichen Unterschiede der Glasteile und sortiert sie danach. Nach dieser optischen Sortierung(9) stehen Weißglas, Grünglas, Braunglas und sonstige Stoffe wie Stein, Porzellan, Keramik zur Weiterverarbeitung bereit.

Output einer Aufbereitungsanlage (Foto unten)

5.Output

 2.3) Glasherstellung

Im Glaswerk/Glashütte wird das Altglas eingeschmolzen und zu neuen Glasverpackungen geformt. Das geschieht folgendermaßen:
Das Gemisch aus Glasscherben, auch Gemenge genannt, wird in die Schmelzwanne geschüttet und auf 1600° C erhitzt. In weiterer Folge wird Quarzsand, Soda und Kalk hinzugefügt, dabei ist das Verhältnis von Altglasgemenge und neuen Rohstoffen 2 zu 1. Wenn das Gemenge seinen Schmelzpunkt erreicht hat, gelangt es zum sogenannten Feeder, der die zähe Masse in Posten teilt. Folglich werden diese in der Glasblasmaschine zu neuen Werkstücken geformt. Hierbei unterscheidet man zwischen dem Pressblas- und dem Blasblasverfahren. Von da an werden sie langsam abgekühlt um Spannungen, Risse und Einschlüsse zu vermeiden. Zum Schluss werden sie durch mechanische und optische Testverfahren geprüft, um nur einwandfreie Glasverpackungen in den Verkauf zu lassen.

Die Glasfabriken der Vetropack Austria GmbH in Pöchlarn/NÖ und Kremsmünster/OÖ sowie das steirische Werk der Stölzle Oberglas AG schmelzen Altglas zu neuen Glasverpackungen ein.

3.) Glasrecycling ist Umwelt- und Klimaschutz

Das Altglas ist hochwertiger Rohstoff für die Produktion neuer Glasverpackungen. Jedes einzelne Glasgefäß, das gesammelt wird, wird zu 100% recycelt und zu einer neuen Glasverpackung geformt, immer und immer wieder. Das spart Rohstoffe, Müll, Energie und verringert Emissionen.

Energie und Emissionen:
Durch jedes Zehntel Altglasanteil, das bei der Neuproduktion beigemengt wird, erreicht man 3% Energieersparnis und eine Reduzierung der CO2 Emissionen um 7 %. Das ergibt sich dadurch, dass Altglasscherben einen niedrigeren Schmelzpunkt haben als neue Rohstoffe. Mit der Energieersparnis des ganzen Recyclingprozesses können 51.000 Haushalte in Österreich mit Strom versorgt werden.
Durch das Recyceln einer einzigen Glasflasche kann man zum Beispiel eine Waschmaschine zehn Minuten lang mit Strom versorgen.

Rohstoffe:
Je mehr Altglas gesammelt wird, umso weniger neue Rohstoffe benötigt die Glasindustrie. Dadurch sparen wir Energie, vermeiden Müll und schonen außerdem die Rohstoffresourcen unserer Erde.
Neue Flaschen und Gläser bestehen zu 2/3 aus Altglas. Dadurch sparten wir im vergangenen Jahr 2014 eine große Menge an folgenden Rohstoffen, etwa:

  • 164.000 Tonnen Quarzsand
  • 53.000 Tonnen Kalk und Dolomit
  • 41.000 Tonnen Soda
  • 573.000 m³ Abbauvolumen
  • 213.000 m³ Deponievolumen für Einwegglas
  • 225.000.000 kWh elektrische Energie
  • 6.000.000m³ Erdgas

Quelle: www.agr.at

Müll:
Sehr positiv wirkt sich das gut funktionierende Glasrecyclingsystem natürlich auch auf den Restmüll aus. Im Jahr 2014 wurden 233.700 Tonnen Glasverpackungen recycelt, nur 43.000 Tonnen landeten im Restmüll. Der dadurch eingesparte Müllberg ist wäre riesig.

4.) Zukunftsperspektiven

Das Sammeln und Recyceln von Altglas ist also für den Klima- und Umweltschutz unbeschreiblich wichtig. DeshaIb sollte das Glasrecycling noch viel mehr betrieben und gefördert werden – schließlich landen immer noch 43.000 Tonnen Glas in Österreich im Restmüll.
Gerade weil Glas so gut wiederverwertbar ist, ist Glas als Verpackungsstoff gegenüber Plastik, unserer Umwelt zu liebe, zu bevorzugen. Ich würde mir wünschen, dass das Beispiel Glasrecycling auch in anderen Bereichen umgesetzt wird, dass z.B. ein Kunststoff entwickelt wird, der, ähnlich wie Glas, wieder einem geschlossenen Materialkreislauf zugeführt werden kann und nicht im Meer landet.

Je mehr solcher gut funktionierenden Wirtschaftskreisläufe es gibt und für die Menschen selbstverständlich werden, umso mehr Zukunft haben wir!

Informationsquellen und Links

Autorin

Magdalena Weinstabl (15) ist Schülerin des BRG Schulschiff “Bertha von Suttner” und wurde u.a. für die Arbeit ‚Glas bleibt Glas‘ zur Technikqueen gekürt. Der Beitrag ist die gekürzte Fassung dieser Arbeit.

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