Glasrecycling und SDG 9 – Industrie, Innovation und Infrastruktur

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Austria Glas Recycling identifizierte in einem mehrstufigen Verfahren gemeinsam mit Partnerunternehmen, Stakeholdern und WissenschafterInnen 6 glasrecyclingrelevante SDGs (Sustainable Development Goals).

  1. Hochwertige Bildung (SDG 4)
  2. Industrie, Innovation und Infrastruktur (SDG 9)
  3. Nachhaltige Städte und Gemeinden (SDG 11)
  4. Verantwortungsvoller Konsum (SDG 12)
  5. Maßnahmen zum Klimaschutz (SDG 13)
  6. Globale Partnerschafen (SDG 17)

Lesen Sie hier, welche Relevanz SDG 9 – Industrie, Innovation und Infrastruktur für Glasrecyclingsysteme hat.

widerstandsfähige Infrastruktur für Österreichs Glasrecyclingsystem

Industrie, Innovation, Infrastruktur – SDG 9, Quelle: UNO

Hochwertige und widerstandsfähige Infrastruktur für Österreichs Glasrecyclingsystem

Das Ziel 9 verlangt die Förderung des Aufbaus einer widerstandsfähigen Infrastruktur sowie der breitenwirksamen und nachhaltigen Industrialisierung und die Unterstützung von Innovationen.

Der Schwerpunkt liegt auf einer hochwertigen, verlässlichen und widerstandsfähigen Infrastruktur, die grenzüberschreitend und mit gleichberechtigtem Zugang für alle ausgestattet ist. Eine breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung soll gefördert sowie Entwicklungsländern den Zugang zu Finanzdienstleistungen und Einbindung in Wertschöpfungsketten und Märkte ermöglicht werden. Ziel 9 beinhaltet acht Unterziele, wovon vor allem die Unterziele 9.4 und 9.5. für das österreichische Glasrecyclingsystem von Bedeutung sind.

Unterziel 9.4 sieht vor, Infrastrukturen zu modernisieren und die Industrien nachrüsten, um sie nachhaltig zu machen, mit effizienterem Ressourceneinsatz und unter vermehrter Nutzung sauberer und umweltverträglicher Technologien und Industrieprozessen.

Das Unterziel 9.5 will die wissenschaftliche Forschung verbessern und die technologischen Kapazitäten der Industriesektoren in allen Ländern und insbesondere in den Entwicklungsländern ausbauen und zu diesem Zweck bis 2030 unter anderem Innovationen fördern und die Anzahl der im Bereich Forschung und Entwicklung tätigen Personen je 1 Million Menschen sowie die öffentlichen und privaten Ausgaben für Forschung und Entwicklung beträchtlich erhöhen.

Austria Glas Recycling versteht unter widerstandsfähiger Infrastruktur für die Glassammlung ein flächendeckendes Sammelsystem, das

  • den Bedürfnissen der BürgerInnen,
  • den Anforderungen der Entsorger
  • den Anforderungen der Glasindustrie an die Qualität des Rohstoffes Altglas
  • ökologischen Kriterien und
  • Effizienzkriterien

entspricht. Innovationen in punkto Glastechnologie und Sortiertechnologie werden neben der passgenauen Infrastruktur dazu beitragen, hohe Recyclingquoten zu realisieren. Im Folgenden werden aktuelle Projekte im Bereich „Innovation und Infrastruktur“ beispielhaft vorgestellt.

Programme und Maßnahmen im Glasrecyclingsystem

  • Sowohl Austria Glas Recycling, als auch die ARA Servicegruppe und das gesamte Partnernetzwerk betreibt die kontinuierliche und laufende Optimierung der Redistributionsinfrastruktur (Standorte, Entsorgungstouren). Gesorgt wird für möglichst ideale Abgabemöglichkeiten für alle Bürgerinnen und Bürger und bedarfsgerechte Entsorgungsmöglichkeiten für Gewerbe und Industriebetriebe. Die Verpackungsverordnung schreibt vor, dass die Entfernung zu Sammelstellen nicht größer sein darf als die jeweils regionale mittlere Entfernung zu Versorgungseinrichtungen für Güter der Art, mit denen die Verpackungen abgegeben werden. Die optimale Gestaltung der Sammelinfrastruktur ist eine permanente gemeinsame Aufgabe für Austria Glas Recycling, Kommunen und Entsorger. Aus Umweltschutzgründen sinnvolle Maßnahmen sind stets mit wirtschaftlichen Erwägungen in Einklang zu bringen. In enger Abstimmung und unter Einsatz der jahrzehntelangen gemeinsamen Erfahrung wird auf geänderte Rahmenbedingungen, Lebensgewohnheiten und technologische Entwicklung reagiert.
  • Seit 40 Jahren entwickelt Austria Glas Recycling das österreichische Glasrecyclingsystem federführend. Nutzte man in den 1970er Jahren handgeschriebene Standortlisten und Tourenpläne für die Optimierung der Redistributionslogistik, kommt dafür heute moderne IT-Software zum Einsatz, um die Bürokratie gering und die Effizienz hoch zu halten. Aktuell entwickelt die ARA Servicegruppen eine Plattform für das gemeinsame Datenmanagement aller Kreislaufwirtschaftspartner.
  • Das Umweltmanagementsystem gemäß EMAS ist unabdingbarer Teil der Unternehmensstrategie von Austria Glas Recycling und sichert die kontinuierliche Verbesserung in jeder Hinsicht. Viele Partnerunternehmen wie ARA AG, Glasindustrie und Entsorgungsdienstleister orientieren ihr Handeln an vergleichbaren Normen, sodass die ökologischen Leistungen im gesamten Glaskreislauf stetig verbessert werden.
  • Eine zukunftstaugliche Entsorgungsinfrastruktur muss energie- und emissionsarm sein. Das moderne Schlagwort dazu lautet Green Logistics.
  • Besonderes Augenmerk legen wir auf den Faktor Lärmvermeidung. Dabei versuchen wir die Lärmbelästigung kontinuierlich zu verringern. Spezielle Container, spezielle LKWs und Vorgaben für den Entleerprozess haben dazu geführt, dass wir so lärmarm wie noch nie arbeiten. Wir forcieren den Flüster-Doppelkammerbehälter (DKB) für eine qualitätsorientierte, moderne und möglichst lärmarme Altglassammlung. Bei der Neuaufstellung und beim Tausch ersetzt der Doppelkammerbehälter sukzessive die alten Einzelkammerbehälter.
  • Durch die Umstellung vom Schüttsystem auf das Hubsystem werden sowohl ökologische als auch ökonomische Aspekte schlagend: weniger CO2, weniger Lärm, geringere Kosten. Hier setzen wir auch weiter auf die Zusammenarbeit mit unseren regionalen und kommunalen Partnern.
  • Für Infrastruktur braucht es Finanzierung. Austria Glas Recycling finanziert die Verpackungsglassammlung aus den Lizenzbeiträgen und Altglaserlösen. Als Non-Profit-Unternehmen trägt Austria Glas Recycling zur Sicherung der Finanzinfrastruktur und zum Vermögenserhalt des Systems bei. Denn der Non-Profit-Status gewährleistet, dass die finanziellen Mittel ausschließlich in die Organisation, die regional spezifische Optimierung und die nachhaltige Weiterentwicklung des Glasrecyclingsystems fließen – und damit in die regionale, österreichische Wirtschaft. Es erfolgt keine Gewinnabschöpfung.
  • Die Glasindustrie setzt auf die innovative Leichtglastechnologie, um – bei gleich hochwertigen Glasgebinden – Ressourcen sowohl in der Produktion als auch beim Versorgungs- wie Entsorgungstransport zu sparen. Innovationen dazu stehen bereits in der Entwicklungs-Pipeline und sollten in den nächsten Jahren sukzessive die Märkte erobern.
  • Mit sogenannten Schmierrobotern sichert Vetropack Austria, dass die gusseisernen Glasformen stets einwandfreie Glasgebinde herstellen. Das Schmieren durch Roboter entlastet die Mitarbeiter in den Glaswerken von schwerer, gefährlicher Handarbeit.
  • Der Behälterbauer und Entsorger Waizinger entwickelt laufend neue LKWs, Sammelcontainer und Verfahren, um zur Lärmreduktion bei der Altglasentsorgung beizutragen. Das Motto „leiser, leichter sicherer“ ist Programm und in der mittlerweile zweiten LKW-Generation – nochmals verbessert – umgesetzt.
  • Im Sommer 2017 wurde in der Plus-City in Leonding (OÖ) eine spezielle Vorsammellogistik für die Gastronomie erprobt und etabliert. In den Folgemonaten ist vorgesehen, diese Vorsammellogistik auf das gesamte Areal auszuweiten und gegebenenfalls auch an weiteren geeignete Standorte anzuwenden.
  • Die ARA Servicegruppe unterstützt maßgeblich das Christian Doppler-Labor (CD-Labor) für „Anthropogene Ressourcen“, eine Forschungseinrichtung an der Technischen Universität Wien. Das Labor beschäftigt sich seit 2012 intensiv mit der Nutzbarkeit von bereits benutzen Konsumgütern oder Infrastrukturobjekten als Rohstoffressourcen. Im Mittelpunkt stehen Abfällen – abseits natürlicher Lagerstätten – als Rohstoffe der Zukunft. Hier wird Recycling eine wachsende Rolle spielen. Abgerissene Gebäude oder weggeworfene Gebrauchsgegenstände werden zu wichtigen Rohstofflieferanten. Statt natürlicher primärer Lagerstätten nutzen wir zukünftig vermehrt vom Menschen gemachte sekundäre Lager: die Abriss-Baustelle wird zur gefragten Rohstoff-Lagerstätte.

Ein Höchstmaß an Glasverpackungen recyceln

Ein Maximum an Glasverpackungen soll mit einem Minimum an unerwünschten Nebeneffekten unter optimalem Einsatz finanzieller Mittel erreicht werden. Redistributions- und Finanzinfrastruktur müssen weitsichtig gestaltet sein. Innovationen müssen heute angeregt werden, damit sie morgen und übermorgen Österreichs Glasrecycling noch besser machen. Das schon jetzt deutlich klima-positive Glasrecycling könnte sich zu einem Zero-Emission-Business entwickeln.

Doch neben rein technischen Innovationen braucht es sowohl gesellschaftliche – individuelle und soziale – Erneuerungen (im Konsumverhalten, Lebensstil etc.) als auch an bionische Naturprinzipien und biologische Strukturen orientierte Innovation. Österreich soll in Europa und Europa weltweit Vorbild und Vorreiter für Circular Economy bleiben. Österreichs Betriebe können durch Spitzenleistungen in der Recyclingtechnologie international wettbewerbsfähig sein und Wohlstand schaffen.

Potenziale zur Zukunftsfähigkeit

  • Die rasche Entwicklung der Elektromobilität, der selbstfahrenden Fahrzeuge und die Digitalisierung werden die Redistributionslogistik grundlegend verändern. Begriffe wie ‚intelligente Logistik‘, ‚intelligente Füllstandsmessung‘ weisen darauf hin, dass die jetzigen Systeme von unseren Nachfahren wohl als unintelligent abqualifiziert werden könnten. Die Vernetzung der unternehmerischen Alltagspraxis zu Forschung und Wissenschaft auf diesem Sektor sind ein Muss.
  • Es ist davon auszugehen, dass hoch entwickelte Sortier- und Recyclingtechnologie in naher Zukunft noch höhere Einsatzquoten von Altglas in der Produktion ermöglichen.
  • Mithilfe der digitalisierten Industrie 4.0 soll eine bessere Auslastung und somit höhere Effizienz erzielt werden. Das kann von einer kommunikativen Vernetzung der Container untereinander bis hin zur Anzeige des Grads der Befüllung der Container über Füllstand­sensoren gehen.
  • Die Vereinfachung der Containerentleerung ist ein weiteres Feld neuer, innovativer Maßnahmen. So könnte beispielsweise die Steuerung der Entleerung von der Fahrerkabine aus mittels Virtual Reality-Brille Das spart voraussichtlich nicht nur Zeit, die heute zum Ein- und Aussteigen verwendet wird, sondern auch Gewicht, da ein Kranaufstieg obsolet wird.
  • Lärm ist eine unerwünschte Nebenerscheinung der Glassammlung. Neben der Dämmung der Container arbeiten Entsorgungsunternehmen an Lärmreduktion im Zuge des Entsorgungsvorgangs.
  • Die Verbesserung der Logistik durch die flächendeckende Nutzung IT-gestützter Routenoptimierungssystemen wird angedacht. Die Analyse von bestehenden Routenoptimierungssystemen, wie sie auch in anderen Ländern verwendet werden, ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Ferner sollte die Evaluierung und Auswahl des passendsten Systems im Dialog mit allen Sammelpartnern erfolgen.
  • Da die Recyclingquote in Städten niedriger ist, sollte diesem Aspekt vermehrt Beachtung geschenkt werden. Durch Installation von neu-designten, innerstädtischen Containern könnte höhere Aufmerksamkeit auf das Recycling von Glas in urbanen Räumen gerichtet werden. Ein attraktives Neudesign könnte zu höherer Akzeptanz führen – vor allem in innerstädtischen Tourismuszonen. Auch für Gastronomiebetriebe, bei denen mehr Glas anfällt als beim Durchschnittsbürger, gilt es weitere Ideen zu entwickeln.
  • Die „Smarte Entsorgung 4.0“ wird für Private, Unternehmen und Gastronomiebetriebe mit computergesteuerten, selbstfahrenden Sammel-LKWs mit 100% ökostrombetriebener Elektromobilität von Statten gehen. Glas wird mittels leiser Hubsystemer gesammelt werden und von Zero-Emission-LKWs bzw. der Bahn zur Glasindustrie gebracht.

Glasrecyclingrelevante SDGs

In loser Folge können Sie auf www.glasrecycling.at über weitere glasrecyclingrelevante SDGs lesen.

Quellen und links

Die Austria Glas Agenda 2030 als pdf.

Die Austria Glas Agenda 2030 als Druckwerk bestellen.

Futur in Glass – Agenda 2030 für Österreichs Glasrecyclingsystem – Blogbeitrag auf ww.glasrecycling.at

United Nations

AutorInnen

Der Beitrag ist – etwas gekürzt – Kapitel 3.2 der Austria Glas Agenda 2030: Nachhaltige Entwicklungsziele für das österreichische Glasrecyclingsystem – Best in Glass. Federführende AutorInnen waren Monika Piber von Austria Glas Recycling und Dr. Alfred Strigl von Plenum GmbH.

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