Sustainability Challenge

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„Unsere (Um-)Welt ist in nie dagewesener Weise rasanten, tiefgreifenden und anhaltenden Veränderungen ausgesetzt, während sich gleichzeitig die demografische Zusammensetzung, die soziale und die wirtschaftliche Struktur unserer Gesellschaften verschieben. Politische Übereinkünfte, finanzielle Anreize oder technologische Lösungen allein reichen nicht aus, um eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten. Wir müssen unser Denken und Handeln verändern und uns klar darüber werden, wie wir alle voneinander abhängen und wie wir mit den Ökosystemen umgehen, die unsere Lebensgrundlage sind. Um eine gerechtere, friedlichere und nachhaltigere Welt zu erschaffen, brauchen wir alle mehr Wissen, Kompetenzen und verbindende Werte sowie ein stärkeres Bewusstsein für die Notwendigkeit einer solchen Veränderung. An dieser Stelle spielt Bildung eine entscheidende Rolle. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist der Weg zu einer besseren Zukunft für alle!“

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Diese Diagnose der UNESCO (Nachhaltigkeitsbildung) führte zur Ausrufung der weltweiten UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung/BNE und des 2015 darauf anschließenden Weltaktionsprogramms BNE. Engagierte Studierende sind dieser internationalen Aufforderung nachgekommen und haben im Sommersemester 2010 mit Unterstützung des damaligen Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung erstmals die interuniversitäre und interdisziplinäre Ringlehrveranstaltung „Sustainablity Challenge“ organisiert. Seither findet dieses Format jährlich statt, wurde mittlerweile auf zwei Semester ausgeweitet und wird nunmehr konzeptionell und organisatorisch vom RCE Vienna/Regional Centre of Expertise on Education for Sustainable Development, das an der Wirtschaftsuniversität angesiedelt ist, betreut.

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Studierende der verschiedenen Studienrichtungen an der Universität Wien, der Technischen Universität Wien, der Universität für Bodenkultur und der Wirtschaftsuniversität erhalten eine Einführung in die Service-Learning-Methode und setzen sich in Theorieblöcken an den vier Universitätsstandorten aus einer interdisziplinären Perspektive mit dem ausgewählten Thema auseinander. – Der Fokus der Sustainability Challenge 2016 ist die „Smart City – Globale Herausforderungen, lokale Antworten“.

Parallel dazu entwickeln die Studierenden in interdisziplinären Teams konkrete Projektkonzepte, die einerseits im Rahmen der Service-Learning-Schiene in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren wie NGOs, Unternehmen und öffentlichen Stellen geplant werden oder seit 2016 erstmals selbständig von den Studierenden im Rahmen einer eigenen Unternehmung entwickelt werden, als Teil der Start-Up-Schiene. Im zweiten Semester setzen die Studierenden die von ihnen im ersten Semester entwickelten Projektkonzepte in Zusammenarbeit mit den Service-Learning-Partnern beziehungsweise Start-Up-Expert/innen in die Praxis um.

Mehrwert für Mensch,Umwelt und Wirtschaft

Durch die Beschäftigung mit konkreten Lösungen für aktuelle Herausforderungen schaffen Teilnehmende und Stakeholder gemeinsam und nachhaltig Mehrwert für Mensch, Umwelt und Wirtschaft. Für die Service-Learning-Partner bietet diese Zusammenarbeit u.a. eine Möglichkeit Einblick in den aktuellen Wissenschaftsbetrieb zu nehmen, Engagement im Unternehmen zu fördern und eine Bestärkung für spezielle Themen im eigenen Umfeld zu erhalten; oder auf neue Sichtweisen durch Menschen anderer Institutionen zu stoßen und andere Blickwinkel wahrnehmen zu können.

Die Studierenden erhalten im Laufe dieser Kooperation die Möglichkeit, die unterschiedlichen Denk- und Herangehensweisen der verschiedenen Disziplinen zu erkennen. Mit den zu erarbeitenden Service-Learning-Projekten wird zudem der nichtuniversitäre Bereich einbezogen und Kontakte zur Wirtschaft, Verwaltung und zu NGOs werden hergestellt.

Nachhaltigkeit braucht Interdisziplinarität

Grundsätzlich zeigt sich durch den interdisziplinären Ansatz, dass ein inhaltlich so umfassender Begriff wie Nachhaltigkeit vermehrt der Inter- und Transdisziplinarität bedarf, da nur eine Vernetzung der unterschiedlichen natur-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen eine belastbare Basis für ein integriertes Verständnis von Nachhaltigkeitsproblemen bieten kann.

Gemäß § 1 des Universitätsgesetzes 2002 sind die Universitäten in Lehre und Forschung sowie der Erschließung und Entwicklung der Künste verpflichtet, verantwortlich zur Lösung der Probleme des Menschen sowie zur gedeihlichen Entwicklung der Gesellschaft und der natürlichen Umwelt beizutragen. – Die Sustainability Challenge wird diesem Anspruch gerecht, zeigt aber gleichzeitig auch auf, dass die Auseinandersetzung mit der Nachhaltigkeit nicht auf akademischen Boden beschränkt bleiben kann, sondern der ständigen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, der Umwelt und der Wirtschaft bedarf: einer umfassenden interdisziplinären Zusammenarbeit.

Zu einem der Service-Learning-Partner bei der Sustainability Challenge 2016 zählt die Austria Glas Recycling mit dem Projekt „Glasrecycling als Mehrwert für den Klima- und Umweltschutz“: Austria Glas Recycling_Sustainability Challenge

Autorin

Evi Frei ist als Referatsleiterin im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft für den Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung an Universitäten und Fachhochschulen zuständig.

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