Waizinger: 70 Jahre Innovation – Den Blick auf das Ganze und die Zukunft gerichtet.

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Innovation bei Waizinger

Oft werde ich gefragt, wie es uns als relativ kleinem Familienbetrieb gelingt, erfolgreich zu sein in einer Branche, die stark reglementiert ist, zugleich – auch aufgrund der gesetzlichen Entwicklungen – in permanentem Wandel steht und mittlerweile eher von Großunternehmen als von KMUs geprägt ist. Meine kurze Antwort lautet stets: Mein Vater prägte sowohl den Geist des Unternehmens als auch den Geist seiner Kinder mit dem Willen zur Verbesserung, mit seiner Eigenschaft, sich nie mit dem Erreichten zufrieden zu geben. Hatte er ein Problem gelöst, so sah er schon die noch praktischere, noch kostengünstigere, in irgendeiner Hinsicht noch gescheitere Möglichkeit. Diese Einstellung halte ich für ein Erfolgsrezept.

Meine Eltern gründeten das Unternehmen Waizinger 1948 als Taxi-Unternehmen und erweiterte das Angebot um Bagger- und Transportleistungen. In den 1970er Jahren zählten wir zu den Pionieren der Abfallwirtschaft, die sich damals dank erster Gesetze betreffend Müllentsorgung entwickelte. Wir gehören zum Beispiel zu jenen Unternehmen, die die Altglassammlung aufbauten.  Heute arbeiten 70 Menschen für Waizinger. Glasrecycling ist eines unserer zentralen Standbeine geworden.

Bei all dem Wandel der vergangenen 7 Jahrzehnte ist eines gleich geblieben. Unser insgeheimer Leitspruch, der da lautet: Es geht immer noch besser. Wir schauen aufs Ganze. Wir arbeiten für die Zukunft.

Innovation am Beispiel Glasrecycling

Mein Vater sprach nie von Innovation. Auch nicht von kontinuierlichem Verbesserungsprozess. Er arbeitete. Und zu seiner Arbeit als Unternehmer gehörte es quasi natürlicherweise dazu, Kundenwünsche zu erkennen und darüber hinaus vorherzusehen, was ein zukünftiger Kundenwunsch sein könnte.

Nehmen wir das Beispiel Glasentsorgung. Gestartet 1976. Man hat erkannt, dass das ungeordnete Deponieren von Abfällen aller Art auf Dauer unserer Umwelt und unserer Gesundheit schadet. Zudem wuchs der Bedarf der Glasindustrie nach Rohstoffen. Eine Konsequenz war der Aufbau österreichweiter Sammelsysteme mittels Mulden und Sammelbehältern. Diese wurden anfangs voll auf LKW verladen und zum Glaswerk transportiert. Leere Behälter nahmen ihren Platz auf der Sammelinsel ein. Modernen Logistikern ist diese Vorstellung mutmaßlich ein Gräuel. Und auch damals war klar, Glas getrennt entsorgen, ist gut, richtig und wichtig. Die Methode aber muss eine andere werden. Es wurden Sammelbehälter und entsprechende Vorkehrungen auf Lkws entwickelt, die ein Ausleeren des Sammelgutes Altglas direkt in den Lkw ermöglichen. Der Sammelbehälter wurde leer an seinen angestammten Platz zurückgestellt, der Lkw transportierte das Material Altglas zum Glaswerk. Dieses Verfahren verfeinerten wir permanent.

Von ‚voll gegen leer‘ zum Doppelkammerbehälter

In den 1990er Jahren ein nächster Entwicklungsschub: Der Doppelkammerbehälter. Zwei Sorten Altglas werden in einem Behälter gesammelt und bleiben dennoch getrennt. Dafür garantiert die Wand im Behälterinneren. Durch Kettensysteme und entsprechende Zugvorrichtungen, die der Lkw-Fahrer mittels Fernbedienung steuert, werden die Bodenklappen einzeln und unabhängig voneinander geöffnet und das Altglas entsprechend auf den Lkw verladen. Weißglas zu Weißglas, Buntglas zu Buntglas. Die Vorteile eines Doppelkammerbehälters: weniger Platzbedarf auf der Sammelinsel, raschere Entleervorgänge.

Der Doppelkammerbehälter taugt als Beispiel für weitere Glassammelinnovationen. Die zunehmende Bedeutung von Glasrecycling für unser Wirtschaftssystem brachte es mit sich, dass immer mehr Glassammelbehälter aufgestellt wurden. Das war zur Freude und Bequemlichkeit der Bürgerinnen und Bürger gut, hatte aber auch negative Auswirkungen. Manchmal klingt es laut, wenn Glas im Glasbehälter entsorgt wird. Wir tüftelten, wie wir der unerwünschten Nebenwirkung beikommen können, ohne auf die Glasbehälterdichte verzichten zu müssen und ohne die Produktionskosten für Glasbehälter in unwirtschaftliche Sphären anzuheben.Die Lösung: Der Einsatz von Sandwichblech und – für besonders sensible Regionen – die zusätzliche Ausstattung mit abfedernden Gummibändern im Behälterinneren.

Lärmreduktion bedeutet Akzeptanzsteigerung

Der Lärm – zunehmend als Stressfaktor erkannt – spielt auch mit, wenn der Behälterinhalt in den Lkw entleert wird. Diesen in die Schranken zu weisen, ist uns seit einigen Jahren ein ganz besonderes Anliegen. Denn es ist davon auszugehen, dass die Bedeutung von Recycling wachsen wird. Das aktuelle Kreislaufwirtschaftspaket der EU schreibt hohe Recyclingziele vor. Das ist auch gut so, denn es ist bekannt, dass wir auf zu großem ökologischen Fuß, also auf Kosten anderer Erdteile und zukünftiger Generationen, leben. Recycling ist ein wichtiger Ansatz, den Ressourcenverbrauch von unserem Wohlstand zu entkoppeln.

Um die hohen Recyclingziele zu erreichen, braucht es die Akzeptanz und Mitmachbereitschaft der Menschen. Wer sich durch Glasentsorgungslärm gestört fühlt, wird keine besondere Glassammelleidenschaft entwickeln. Vor allem in Städten ist Lärm ein Dauerphänomen, um nicht zu sagen ein Dauerproblem. Gerade aber in Städten ist das Potenzial für eine Steigerung der Sammelmengen besonders hoch. Das heißt für uns mit Blick auf das gesamte Glasrecyclingsystem, wir müssen Lösungen anbieten, die speziell die Bedürfnisse von Stadtbewohner/innen berücksichtigen.

Innovation in Fortsetzung: Leiser – leichter – sicherer

Mit unserer ‚leiser – leichter – sicherer‘-Initiative entwickelten wir bereits im Jahre 2012 wertvolle Geräuschreduktionsmaßnahmen:

  • Teilabdeckungen beim Lkw und beim Anhänger
  • schalldämmende Materialien im Inneren des Lkw sowie
  • Techniken im Ablauf, die Lärm auf ein Minimum reduzieren

der leiser-leichter-sicherer-LKW

Jüngst stellten wir die Weiterentwicklung vor. Es zeigte sich nämlich, dass es nicht immer möglich war, das Altglas aus geringer Höhe in den Lkw zu entleeren, damit es nicht scheppert.Bei wenig Ladegut im Lkw ist die Trennwand zwischen Weiß- und Buntglas dem Kran im Weg. Bei unserem neuesten Modell ist nun die Trennwand in der Höhe verstellbar. Bei geringer Füllung wird die Trennwand niedrig gestellt, somit kann der Kran tief gehalten und das Altglas aus geringer Höhe in den Lkw eingebracht werden.

Spezielle Lösungen für spezielle Herausforderungen – Glas entsorgen in Einkaufszentren

In Österreich ist traditionellerweise das Engagement für die Altglassammlung hoch. Und trotzdem kann man noch mehr herausholen. Ein Feld sind Einkaufszentren mit Gastronomiebetrieben. Da ist die Altstoffsammlung nicht immer in die Abläufe integriert.Die bauliche Infrastruktur eines großen Einkaufszentrums ist nur bedingt auf Altstoffentsorgung ausgelegt.

Für eines der größten Einkaufszentren – diePlusCity in Leonding, Oberösterreich –entwickelten wir 2017 gemeinsam mit dem PlusCity-Management und der Austria Glas Recycling eine Lösung, die alle Aspekte berücksichtigt: den Ablauf im Gastronomiebetrieb, die Infrastruktur im Einkaufszentrum, die Entsorgungsmodalitäten und die räumlichen Möglichkeiten. Ergebnis: Ein völlig neuartiger Vorsammelbehälter für die Gastronomiebetriebe und eine völlig neuartige Mulde, in der das Altglas bis zur Abholung durch den Entsorger in der Tiefgarage zwischengelagert wird.

Spezielle Altglassammelbehälter für Restaurants in Einkaufszentren – hier in der PlusCity

Ein Vorsammelbehälter hat ein Fassungsvermögen von ca. 30 Liter, zwei davon passen auf eine Rodel. Jeder Gastronomiebetrieb erhielt einen weißen für Weißglas und einen grünen für Grünglas. Mit der Rodel kann Mann oder Frau ohne große Kraftanstrengung mit zwei vollen Vorsammelbehältern zur Zweikammer-Absetzkippermulde in der Tiefgarage fahren. Dort kann dank individueller Vorrichtungen das Altglas einfach in die eine (Weißglas) oder andere (Buntglas) Seite der Mulde gekippt werden. Die Zweikammermulde ist mit Gittern und Handläufen so ausgestattet, dass dies vollkommen sicher von statten geht. Nach rund einem halben Jahr im Einsatz sieht man klar, dass die Glassammelmengen steigen.

die Zweikammerabsetzkippermulde – eine Spezialentwicklung für die Altglassammlung zum Einsatz in Tiefgaragen

Projekte wie dieses, tragen dazu bei, ein gesellschaftliches und volkswirtschaftliches Problem zu meistern. Ich kann meinen Kunden, in dem Fall der Austria Glas Recycling und der PlusCity, eine maßgeschneiderte Lösung anbieten, die – hoffentlich – Schule macht. Ich profitiere als Unternehmer davon, dass meinen Kunden diese Leistung etwas wert ist.

Meine persönlichen Innovationserfolgsfaktoren

Der Innovationsbeispiele gäbe es noch zahlreiche.

Meine etwas ausführlichere Antwort auf die eingangs gestellte Frage ist zugleich mein persönliches Leitbild:

  • Halte das Gesamtsystem im Blick. Das bringt leider nicht immer umgehenden ökonomischen Erfolg, hat sich für unser Unternehmen aber bislang bewährt. Insbesondere in der Abfallwirtschaft, die nur als System funktioniert, in dem alle Beteiligten zusammenspielen und profitieren müssen, ist die Gesamtschau unabdingbar.
  • Schau voraus, agiere als Vorreiter, sei wachsam und antizipiere gesellschaftliche Entwicklungen. Du musst deine Kundenwünsche kennen, bevor diese sie kennen.
  • Denke langfristig.
  • Nutze die praktische Erfahrung deiner Mitarbeiter/innen. Höre ihnen gut zu.
  • Nimm dir Zeit fürs Tüfteln.
  • Individuelle Lösungen dürfen individuell bleiben. Sie dürfen auch zu Serienprodukten werden. Beides ist gut für dein Unternehmen.

Autor

Ing. Gottfried Waizinger, Eigentümer und Geschäftsführer der WaizingerGes.mbH& Co KG, Dietach/Steyr, Oberösterreich.  Sohn des Unternehmensgründers, der bereits in den 1970er Jahren zu den Pionieren des Glasrecyclings in Österreich zählte. Bevor Gottfried Waizinger in den Familienbetrieb einstieg und diesen schließlich übernahm, war er in den ehemaligen Steyr-Werken im LKW-Versuch tätig. E-Mail: g.waizinger@waizinger.at

Links

Leiser-leichter-sicherer, Fachbeitrag aus dem Jahr 2015

 

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