Sand: Ein knappes Gut

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Können derzeit ungenutzte Glasabfälle als Baustoff genutzt werden?

Den meisten Menschen ist bekannt, dass es einige wichtige Rohstoffe – wie zum Beispiel Erdöl – gibt, die nur begrenzt vorhanden sind und von denen unsere Weltwirtschaft abhängt. Dass Sand eine genauso begehrte Ressource ist, ist den meisten jedoch nicht bekannt. Sand wird von vielen Branchen ob der Kosmetik-, oder Elektroindustrie benötigt, vor allem aber von der Bauindustrie zur Herstellung von Beton.

Sand scheint unendlich vorhanden zu sein. Er ist regelrecht das Symbol für unendliche Mengen: „wie Sand am Meer“. Doch nicht alle Körnchen sind gleich. Für die Bauindustrie ist der Wüstensand zu rund zum Bauen, sodass nur Meeressand in Frage kommt. Das schränkt die Vorkommnisse erheblich ein. Zudem dauert die Entstehung von Sand durch die Erosion von Gestein in Gebirge bis zu 1.000 Jahre. Die Nachfrage nach Sand ist in den letzten Jahren um 360% gestiegen und wird auch in Zukunft – angetrieben von Bevölkerungswachstum und Verstädterung – weiterhin steigen. Der Sandabbau boomt und wir entnehmen der Erde mehr davon, als dass natürlich entsteht. Die Folgen: der Sand wird knapp, die Umwelt gerät ins Schwanken und kriminelle Machenschaften handeln illegal mit dem Gut.

Gegenwärtig werden in der Praxis noch wenig Alternativen genutzt. Da der Preis für Sand nach heutigen Marktpreisen stark unterbewertet ist, reizen Bauherren jegliche Sandvorkommen aus. An einigen Instituten wird bereits nach Alternativen geforscht, um uns vom Beton und somit Sand weniger abhängig zu machen. Da Glas zum größten Teil aus Sand besteht, haben die beim Zerkleinern von Altglas entstehenden Partikel ähnliche Eigenschaften wie der ursprüngliche Sand und können sich somit ebenfalls zu Beton verarbeiten lassen. Prof. Dirk Hebel von der Universität Karlsruhe sieht darin großes Potential. In Deutschland gäbe es große Mengen an Glasabfällen, von denen nur circa 30 Prozente sinnvoll recycelt werden. Aus dem Rest könnten dementsprechend das Material gewonnen werden, dass sich zur Herstellung von Beton eignet.

Mangelware SandAn der TU Wien wird derweilen untersucht, wie belastbar ursprüngliche Rohstoffe wie Lehm oder erneuerbare Materialien wie Holz oder Stroh sind. Testweise baute man ein Holz-Haus, welches mit Stroh gedämpft und mit Lehm verkleidet wurde, um zu beweisen, dass dies eine nachhaltige Baumethode sein kann. Eine andere umweltfreundliche Alternative ist Recyclingbeton: Beton, bei dem ein Großteil des Sandanteils durch Recyclingsande von angefallenem Bauschutt ersetzt werden. Abfälle von Baustellen bilden mit 50% den größten Anteil an Abfällen in Österreich. Werden Abfälle sachgemäß getrennt, kann der Bauschutt einfach recycled und wiederverwendet werden.

Quellen und links

Warum unserer Erde der Sand ausgeht.

Karlsruher Institut für Technologie

Bambus, Hanf oder Flachs als Alternativen zum Meeressand: Süddeutsche Zeitung, 18. 7.2017

Warum der Sand verschwindet, SWR2, 16.6.2016

Baustellenabfälle recyceln zahlt sich aus, Stadt Wien

Waste glass powder as partial replacement of cement for sustainable concrete practice, science direct

Die neue Umweltzeitbombe, Dokumentarfilm, ARTE

Autorin

Maike Radermacher, geboren in Viersen, ist PR-Managerin bei Trade Machines – einer Suchmaschine für industrielle Gebrauchtmaschinen. TradeMachines fördert die Wiederverwendung von gebrauchten Maschinen. Die Rückführung von Maschinen in die Kreislaufwirtschaft ist unserer Meinung nach notwendig, um Ressourcen zu schonen und somit die Umwelt zu schützen. Umweltschonendes Verhalten ist nicht nur Kern unseres Geschäfts, sondern auch im Arbeitsalltag verankert und unser Team wird für das Thema sensibilisiert. Uns war die weltweite Sandknappheit bislang unbekannt und wir haben es uns nun zur Aufgabe gemacht, Aufmerksamkeit für dieses besorgniserregende Phänomen zu schaffen. maike.radermacher@trademachines.com

 

 

 

 

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