LEISER – LEICHTER – SICHERER: Aktuelle Entwicklungen bei Altglassammelfahrzeugen auf dem Weg zum nachhaltigen Glasrecycling

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Gottfried_WaizingerLeiser – leichter – sicherer, so lautete die Vorgabe für unsere neuen Altglassammelfahrzeuge. Die Anforderungen, Lärm beim Entleeren der Glasbehälter zu verringern, Fahrzeuggewicht einzusparen und die Sicherheit für den Fahrer zu verbessern, konnten erreicht werden. Seit 2012 ist das Fahrzeug im Dauereinsatz. An einem zweiten – nochmals verbesserten – arbeiten wir gerade. Aber alles der Reihe nach.

LÄRM – Das Klirren beim Glasentleeren

Die Altglassammlung in Österreich ist seit Jahrzehnten hervorragend etabliert und wird von der Bevölkerung sehr gut angenommen. Die ständig steigenden Sammelmengen sind der Beweis dafür. Einzig die Geräuschentwicklung kann störend wirken. Einerseits beim Einwurf des Altglases in den Sammelbehälter- da steuern wir mit lärmgedämmten Sammelbehältern entgegen, andererseits beim Entleeren der Altglassammelbehälter in das Sammelfahrzeug. Beim Entleervorgang hängt der Sammelbehälter am Ladekran über dem LKW, die Bodenklappe wird geöffnet und der Inhalt fällt in den Aufbau des LKW.

Klar, Glas klirrt. Und Glas auf Glas klirrt noch ein wenig mehr. Nicht in jedermanns Ohr ist das Musik. Gemeinsam mit meinem Team aus Fachleuten und LKW-Fahrern suchten wir nach Möglichkeiten, die Geräuschbildung zu reduzieren, ohne den Ablauf zu beeinträchtigen.

Das Glas klirrt nun leiser.  Wie ist das gelungen?

1.  Durch Teilabdeckungen beim LKW und beim Anhänger. Die Aufbaumulden sind derart abgedeckt, dass nur mehr jene Bereiche frei bleiben, die für die Entleerung des Behälters unbedingt erforderlich sind. Diese Abdeckungen sind mit schalldämmendem Material ausgestattet. Dadurch kann viel weniger Lärm nach außen dringen und der entstehende Lärm wird großteils durch die Schalldämmung „geschluckt“. Beim Entladen des LKW´s können diese Teilabdeckungen hydraulisch geöffnet werden, sodass die Entladung des Altglases mit dem Kran problemlos möglich ist.

2.  Auch die Innenwände des Muldenaufbaus sind mit schalldämmendem Material ausgestattet. So wird das Klirren gedämpft.

SICHERHEIT – Menschlich wie rechtlich von hoher Brisanz

Jene Mitarbeiter, die die Glassammel-Lkw lenken, sind täglich bei Wind und Wetter, bei Hitze und Kälte, bei Nässe und Schnee im Einsatz. Sie besteigen im Zuge einer Entleer-Tour im Durchschnitt 30 Mal den Hebekran, das sind also 30 Mal auf 3,8 Meter hinauf und 30 Mal von 3,8 Meter herunter. Es liegt auf der Hand, dass der Sicherheit meiner Mitarbeiter mein besonderer Fokus gilt und ich versuche, das Sicherheitsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren, um Unfall- und Gefahrenquellen weitestgehend auszuschalten. Neben dem menschlichen Leid, das ein Unfall mit sich bringt, ist es ein ökonomischer Schaden, wenn einer der versierten Fachkräfte durch einen Unfall für längere Zeit ausfällt oder diese Arbeit nicht mehr verrichten kann.

Eine kleine Treppe statt eines großen Schrittes

Mit einer in unserem Betrieb entwickelten und gebauten Stiege ist der Aufstieg zum Hebekran nun leichter und sicherer zu bewältigen. Auf beiden Seiten am Heck des LKW´s   – wo sich der Ladekran befindet –  ist zwischen Aufbau und Kran eine kleine Treppe fix montiert und mit rutschfestem Material ausgelegt. Der Abstand vom Straßenboden zum Kranboden – immerhin 3,8 Meter- lässt sich nun bequemer und auf jeden Fall sicherer überwinden. Auch für ältere Mitarbeiter eine große Erleichterung. Nach anfänglichem Widerstand seitens des Fahrers  – ich gebe zu, das überraschte mich – wird diese kleine Aufstiegshilfe mittlerweile ausgesprochen gut angenommen und ist bei zukünftigen Fahrzeuganschaffungen eine Selbstverständlichkeit.

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Ich habe versprochen, beim Punkt Sicherheit nochmals auf die Teilabdeckung zurück zu kommen. Diese spielt nämlich für die Ladungssicherheit eine wichtige Rolle. Das Ladegut, in unserem Fall das Altglas, darf naturgemäß weder im Zuge des Entleervorganges noch während des Transportes aus dem LKW auf die Straße fallen. Mit diesen Muldenabdeckungen wird dies zuverlässig gewährleistet.

GEWICHT – In der Logistik dreht sich fast alles um Tonnage

Beim  Frachtgeschäft geht es ums Gewicht. Jeder LKW hat ein vorgegebenes höchst zulässiges Gesamtgewicht. Das ist gesetzlich vorgeschrieben und sinnvoll, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu gewährleisten. Dieses höchst zulässige Gesamtgewicht ist die Summe aus Eigengewicht des LKW und Ladungsgewicht. Ein Spezial-LWK für die Altglassammlung mit Kran hat ein hohes Eigengewicht. Wenn das Eigengewicht z. B. durch Leichtbauweise reduziert werden kann, erhöht sich die Nutzlast. Somit kann mehr Altglas transportiert und es können Fahrten eingespart werden. Das freut mich als Unternehmer nicht nur in der Leistungsbilanz, sondern als ökologisch denkenden Menschen auch für unsere Lebensumwelt. Weniger LWK-Fahrten = weniger Kraftstoff = weniger CO2-Ausstoß.

Wie auch ein LKW abnehmen kann

Der Aufbau des LKW´s bzw. Anhängers ist zumeist aus Stahl oder Stahl-Alu-Verbindungen. Wir setzen mit der neuen Fahrzeuggeneration ausschließlich auf Aluminiumaufbauten.  Weiters können wir auch einen leichteren Ladekran einsetzen, weil wir die Sammelbehälter so situieren, dass die großen Behälter näher am Fahrbahnrand platziert werden, als die kleinen Sammelbehälter. Eine kluge Wahl und Anordnung der Sammelinseln und Behälterstandorte konnte zu einer weiteren Optimierung beitragen. Auch dadurch konnte Eigengewicht eingespart werden.

Zufriedenheit und weitere Potenziale

Zusammenfassend können wir heute sagen, dass sich die neue Fahrzeuggeneration im Praxiseinsatz bewährt hat. In jedem der geforderten Punkte – Leichter – Leiser – Sicherer – konnten wesentliche Verbesserungen erzielt werden. Natürlich gibt es immer noch Verbesserungspotential. Bei der nächsten Fahrzeuganschaffung werden wir weitere Optimierungen durchführen und noch im Jahr 2015 verwirklichen.

Persönlich ist es mir ein großes Anliegen einen Beitrag zur ständigen Verbesserung des österreichischen Glasrecyclingsystems zu leisten. Mit der neuen Fahrzeuggeneration Leiser-Leichter-Sicherer, konnte ein weiterer erfolgreicher Schritt zur Systemoptimierung gemacht werden.

Autor

Ing. Gottfried Waizinger, Eigentümer und Geschäftsführer der Waizinger Ges.mbH & Co KG, Dietach/Steyr, Oberösterreich.  Sohn des Unternehmensgründers, der bereits in den 1970er Jahren zu den Pionieren des Glasrecyclings in Österreich zählte. Bevor Gottfried Waizinger in den Familienbetrieb einstieg und diesen schließlich übernahm, war er in den ehemaligen Steyr-Werken im LKW Versuch tätig. E-Mail: g.waizinger@waizinger.at

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